#1

Steiner Burgfestival 2009: In Extremo u.a.

in Konzertreviews 31.08.2009 11:54
von EarAche • The Undertaker | 2.096 Beiträge

Steiner Burgfestival, Stein an der Traun - 29.8.2009
IN EXTREMO & guests


So so, ein Burgfestival machen sie also nun in Stein an der Traun: "Nebst der musikalischen Untermalung ist vor der herrlichen Kulisse des Steiner Hochschlosses für die Vergnügung und das leibliche Wohl der Schaulustigen aufs Beste gesorgt." Selbstredend haben wir drei von uns völlig unabhängige, aber wirklich festivalerprobte Testpersonen bereits am Nachmittag vor Ort gehabt, um diese Versprechungen einer neutralen Prüfung zu unterziehen.

Um es kurz zu machen: Das Essen war nach einhelliger Meinung auf preislich inakzeptablem Niveau, dafür aber auch grottenschlecht (außer man stand im Mittelalter vielleicht auf halb rohe Spätzle und wollte diesen "Genuss" dem neuzeitlichen Publikum absichtlich nicht vorenthalten) und selbst bei besserer Qualität wären die Portionen bei diesen Preisen zu klein gewesen (Bsp.: handgroße Scheibe Schwarzbrot mit Speck 3,- Eur). Der ebenfalls hohe Bierpreis (kleiner Plastikbecher wiederum 3,-) hielt allerdings einen Teil der Anwesenden dennoch nicht von Druckbetankung ab, weshalb ein Haufen Delirierender bereits deutlich vor dem Headliner nicht nur das Gelände selbst, sondern bereits die Zufahrtswege im Ort unterhalb zierte.

Dafür kann ein Veranstalter natürlich nichts, wohl aber für die desaströse Organisation: Das Festivalgelände war nach Einbruch der Dunkelheit schwer zu finden, gut sichtbare Wegweiser zu Parkplätzen und Zugang Fehlanzeige. Man sollte aber damit rechnen, dass nicht jeder einen ganzen Tag Zeit hat, sondern der eine oder andere vielleicht doch erst des Abends zum Headliner anreist.

Die Veranstaltungswiese an sich verfügt eigentlich über eine Zufahrtsstrasse, diese war aber vor allem für Cast & Crew reserviert, so dass das zahlreiche Publikum mehrheitlich über einen engen und nicht ganz unsteilen Steig hinauf- und vor allem wieder hinab gelangen musste. Und genau hier der massivste Kritikpunkt: Hätte es einen ernsten Zwischenfall gegeben, wäre mangels ausgeschilderter Fluchtwege neben der Bühne völliges Chaos ausgebrochen (das Geländer am Steig musste während der laufenden Veranstaltung bereits neu befestigt werden...).

Nach Showende leistete man sich den Planungsfehler, die Absperrung Richtung der erwähnten Strasse neben der Bühne (wohl mit Rücksicht auf einen sofortigen, möglichst ungestörten Ausbau der Produktion) nicht zu öffnen, was dazu führte, dass das abwanderungswillige Publikum sich in relativer Dunkelheit in einem unbeschreiblichen Gedränge auf dem einzigen engen Schlammweg neben der Absperrung entlang der Konzertwiese in einem Stau ohne Ende wiederfand.

Wenn man schon eine Art "Blockabfertigung" über einen schmalen Steig hinunter in den Ort abwickeln muss, dann kann man eine Masse von Menschen nicht bereits hunderte Meter vorher uninformiert einem einstündigen Gedränge überlassen, sondern hätte den Abmarsch in einzelnen Gruppen bereits am hinteren Teil der Festivalwiese organisieren können und müssen, wo hinreichend Platz zum Warten - begleitet von erklärenden Durchsagen - gewesen wäre. Wir haben uns das Chaos relativ lange kopfschüttelnd mit angesehen und dann den (übrigens immer vorhandenen) Insiderweg genutzt: Bühne links...

Nach soviel Kritik noch ein kleines Lob: Wenigstens hatte man von Veranstalterseite ob des Regens am Morgen der Veranstaltung Stroh auf der Wiese ausgebracht, so dass sich die unvermeidliche Verschlammung noch in einigermassen erträglichen Grenzen hielt. Aber es muss gestattet sein, sich abschließend zur Organisation zu fragen, ob eigentlich niemand vom Ordnungsamt Traunreut vorab einen Plan des Festivalgeländes zu Gesicht bekommen hat - oder die potentielle Gefahr des Abmarschweges schlicht von allen Beteiligten übersehen wurde. Dann sollte man allerdings im Interesse der Unversehrtheit von Besuchern keine weitere Veranstaltung dieser Größe in Traunreut mehr genehmigen.

Nun endlich noch zur Musik: 50 Stitches To Salvation, Lacrimas Profundere, Faun und Letzte Instanz konnte ich selbst wegen einer anderweitigen Verpflichtung an diesem Tage leider nicht sehen und hören, aber nachdem ich am Abend eine Menge bekannte Gesichter im Schein der Pyros entdecken konnte, werden sich hoffentlich andere Besucher dazu noch äußern können.

IN EXTREMO
"Durch dieses Licht ziehst Du mich in Deinen Bann..."

In Extremo haben den Ruf, dass man sie mindestens ein Mal live gesehen haben sollte, wenn man denn mit ihrem Heavy Medieval Folk etwas anfangen kann. Und das scheint auch außerhalb des direkten lateinisch-deutschen Sprachraumes bei vielen der Fall zu sein, denn wie vielleicht bekannt ist, waren die Jungs mittlerweile von Skandinavien bis Südamerika umtriebig. Die Band setzt live neben hart rockenden Tönen auf visuelles Entertainment geradezu amerikanischen Ausmasses, vielleicht neben den Metal-Elementen im Sound die einzige weitere Parallele zu Rammstein, die ja auch mit gewaltig live-Kapazunder einen Erfolgszug rund um den Globus angetreten haben.

Gleich zur Begrüßung am Gelände in Stein wurde mir die Info zuteil, dass angeblich der Sound an diesem Abend zu wünschen übrig ließe - das kann ich für die Extremo-Show absolut nicht bestätigen. Im Gegenteil, im vorderen Drittel leicht links vom Moshpit und deutlich vor dem FOH waren Sicht und Sound nachgerade hervorragend, das Liedgut erschallte druckvoll und dennoch nicht zu laut aus der PA, was selten genug ist, so dass der alte EarAche erfreulicherweise auf den Gehörschutz verzichten konnte. Also:

Let there be light, sound, fire, thunder and confetti - Let there be In Extremo!

Sie sind trotz Dauertour und kommerziellem Erfolg immer noch ein sympathischer Haufen, die Jungs um Micha Rhein mit ihren teils selbst gebauten, teils liebevoll zusammen getragenen Retro-Instrumenten. Der Fronter entschuldigte sich mehrfach, dass er wegen Zeitdrucks diesmal nicht so viel erzählen könne, aber aus der Menge geplärrte Songwünsche wurden dennoch kurz kommentiert.

Vollmond, Flaschenpost, En Esta Noche, In diesem Licht, Mein rasend Herz, Küss mich, Spielmannsfluch, Villeman Og Magnhild... - Gassenhauer hatte es genug in diesem Programm. Die Dudelsackfraktion vollführte die eine oder andere Polonäse, es krachte, Funken sprühten und den vorderen Reihen brannte fast die Gesichtsbehaarung weg, wenn flüssiger Brennstoff aus mehreren Rohren zur Verpuffung gebracht wurde. Das Publikum sprang und sang erwartet gut mit und hatte sichtlich Spaß an In Extremo im etwas kühlen Mondschein dieser Augustnacht in Stein an der Traun. Herr Rhein hielt seinen Reibeisengesang bis zur finalen Showeinlage mit brennenden Drumsticks durch, auf Zugabengetue wurde wie angekündigt gleich ganz verzichtet, so dass nach ca. 1 Stunde und 45 Minuten Vollbedienung mit einigen ruhigen Momenten zwischendurch wohl kaum jemand aus den Reihen der Fanschar enttäuscht von dannen gezogen sein dürfte.

Auch für mich als relativ neutralen Gast der "Mittelalterklasse" (man beachte den in diesem Zusammenhang wahnsinnig gut gewählten Doppeldeutigkeitsgag!) ist das Live-Konzept von In Extremo absolut stimmig und reißt mit, denn es macht einfach Laune, ein paar Leuten zuzusehen, die so offensichtlich Spaß an der eigenen Performance haben. Aber ich kann mir natürlich vorstellen, was jemand auf diese Zeilen replizieren würde (und vielleicht auch wird...), der mit dem Liedgut der Herren ebenso wie mit dem davon angezogenen Publikumskreis eher nicht so vertraut sein könnte - dem dürfte auch Mummenschanz und Pyro-Kapazunder die Magie dieses überwiegend hart rockenden Acts nicht erschlossen haben, denn man muss schon dem Genre generell was abgewinnen können, um In Extremo live geil zu finden.

Hinweise:

Aktuelle Live-DVD/ Doppel-CD: Am goldenen Rhein (Dez. 2008, Palladium Köln)

„Tranquilo“ Akustik-Tour 2009:

03.12.2009 A-Graz, Helmut-Liszt-Halle
04.12.2009 CH-Luzern, Konzerthaus Schüür
05.12.2009 CH-Solothurn, Kofmehl
07.12.2009 Dresden, Lukaskirche
08.12.2009 Potsdam, Nikolaisaal
09.12.2009 Bremen, Die Glocke
10.12.2009 Erlangen, Heinrich-Lades-Halle
11.12.2009 Halle, Steintor
12.12.2009 Bochum, Christuskirche
14.12.2009 Stuttgart, Liederhalle
15.12.2009 Mannheim, Capitol
16.12.2009 Magdeburg, Altes Theater
17.12.2009 Hannover, Theater am Aegi
19.12.2009 Hamburg, Grosse Freiheit
20.12.2009 Weimar, Neue Weimarhalle
21.12.2009 München, Kongresshalle
22.12.2009 Köln, Theater am Tanzbrunnen

Tickets unter 0228/42116-12 oder http://www.headlineconcerts.de


http://www.facebook.com/DJ.EarAche
http://twitter.com/DJ_EarAche

zuletzt bearbeitet 31.08.2009 12:08 | nach oben springen

#2

RE: Steiner Burgfestival 2009: In Extremo u.a.

in Konzertreviews 31.08.2009 12:26
von DonJackus • Der Hochwohlgeborene Edle | 2.450 Beiträge

Nochmal sei es auch hier trompetet:

Hat uns auf jeden Fall sehr gefreut, Dich und Deine Anvertraute kurz zu sehen!

Jetzt weiß ich jedenfalls, daß dieser Mittelalter-Rock doch nichts für mich ist!! Auf CD mag das ja ganz ok sein, aber live rührt sich da bei mir gar nichts! Vor allem diese seltsamen Gestalten im Publikum waren doch eher zur Erheiterung angetan! Ich habe außerdem noch nie soviel gepiercte Dicke sowie Alkoholopfer auf einem Haufen gesehen wie in Traunstein, wie uns der Sänger von In Extremo begrüßt hat..... ... der "Witz" kam beim Publikum auch ziemlich gut an!!!

Leider habe ich Lacrimas Profundere komplett verpasst, was wohl die einzige Band gewesen wäre die mich wirklich interessiert hätte. Und von In Extremo hätte man sich auch mehr erwarten können. Zum Einen war aber der Sound dagegen und zum anderen hat uns die Band auch nicht wirklich überzeugt, außer der äußerst wärmenden Pyros. Was für bescheuerte Texte man sich wohl von einer Ost Band bieten lassen muß, hat man hier außerdem eindrucksvoll gesehen! Das war aber noch grandios gegen diese Schwuchteln der Letzten Instanz. Da hätte ich tatsächlich gerne mein Beil rausgeholt.... ...und beim Billy Idol Cover Rebell Yell kam einem wirklich das kalte Grausen, obwohl es schon kühl genug war an diesem Abend.....

Wenn wir nicht diese Radtour unternommen hätten, hätten mich die verschwendeten 76 Euro wirklich geschmerzt! So war es eine Erfahrung mehr....

P.S.: Mag sein, daß der Sound bei In Extremo nach unserer Abwanderung (oder eher Flucht) etwas besser wurde, aber da wir zuvor ungefähr an der selben Stelle standen wie die allheilige Stiftung, konnten wir vor allem dem miesen Gitarrensound so gar nichts abgewinnen. Und die Texte kamen einem objektiv betrachtet "in extremo" sinnentleert vor..... Weiters hat "Das Einhorn" so ziemlich genau nur eine Stimmlage drauf, womit fast jeder Song gleichförmig daherkommt! Es ist außerdem eine Frechheit des Veranstalters noch ab 18 Uhr den vollen Ticketpreis zu verlangen. Ist zwar logisch, daß es keine "Halbtageskarten" gibt, aber dies gepaart mit der von Dir wunderbar beschriebenen miesen Organisation, setzt dieser Veranstaltung noch den Gipfel auf!!


check out!!!
www.hartmutrotzt.de
www.bavarianassrockmassaka.de
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zuletzt bearbeitet 31.08.2009 12:45 | nach oben springen

#3

RE: Steiner Burgfestival 2009: In Extremo u.a.

in Konzertreviews 31.08.2009 13:32
von DonJackus • Der Hochwohlgeborene Edle | 2.450 Beiträge
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#4

RE: Steiner Burgfestival 2009: In Extremo u.a.

in Konzertreviews 03.09.2009 11:04
von EarAche • The Undertaker | 2.096 Beiträge

Interessante Ausführungen, immerhin sind dem Verfasser die organisatorischen Mängel beim Abmarsch ebenfalls nicht entgangen.

Aber soweit mir bekannt, waren mehr als die kolportierten 2000 Besucher anwesend, da ein offizielles Statement lautete: "Wir hatten nur mit 3000 Leuten gerechnet, sind aber vom Ansturm überrascht worden.". Dies erklärt vielleicht auch ansatzweise, wieso der FOH-Standort so relativ nahe vor der Bühne gewählt wurde, da ein mit Planen verhängter Tower der Licht- & Toncrew logischerweise hinter sich einen breiten Kegel der Sichtbehinderung für alle (offenbar gar nicht erwarteten) Besucher im hinteren Teil des recht tiefen Geländes erzeugte. Und auch der Sound wird schliesslich nur bis zum FOH-Podest optimal ausgepegelt, wer weiter hinten stand, hatte unter Umständen nicht gerade mächtigen Schalldruck.


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