Die Linken kamen bei mir auch permanent auf Platz 4, aber die haben halt teilweise diametral zu meinen Ansichten entgegen gesetzte Positionen und zwei Führungsfiguren, deren Eloquenz mir zwar oft Spaß bereitet, aber die ich aufgrund ihres persönlichen Backgrounds solange nicht ernst nehmen kann mit ihrem Engagement für den Durchschnittsbürger, bis sie mir das Gegenteil bewiesen haben.
Wünschenswert wäre aus meiner Sicht, wenn sich statt einer schwarz-roten Koalition eine stabile Vereinigung der wichtigsten Standpunkte mehrerer "Kleiner" erzielen ließe. Ich wage zu prognostizieren, dass über die nächsten beiden Bundestagswahlen hinweg die beiden bisher größeren Blöcke weiter an Anteilen verlieren werden, vor allem die SPD sich bald in ungewohnter Konkurrenz mit etwa gleich starken anderen Parteien wiederfinden wird. Dafür werden Linke, FDP, Grüne und auch die Piraten geringfügig weiter zulegen. Mit den von den bisherigen "Großen" immer favorisierten Kombinationen Rot-Grün oder Schwarz-Gelb wird es daher dann eventuell auf Dauer nicht mehr möglich sein, eine Regierung zu bilden. Wenn sich die beiden bisher großen Parteien daher nicht bewegen, zunächst thematisch und in der Folge dann durch stärkere Kompromisse bei Koalitionsverhandlungen, dann könnten ihnen irgendwann die Koalitionspartner abhanden kommen.
Es wäre daher denkbar, dass spätestens bei der übernächsten BT-Wahl zwei von den (bis dahin vielleicht vier) 14- bis 20-Prozent-Parteien (denn ich wette, in dem Bereich tummeln sich dann SPD, FDP, Linke und Grüne) das Ruder in die Hand nehmen und sich einen weiteren Partner zur Koalitionsbildung suchen. Von der jetzigen thematischen Übereinstimmung her wären das SPD und Grüne, aber mit wem wollen sie koalieren?
Mit der FDP? Bisserl schwierig, wenn die nicht von ihren Positionen in punkto Atomkraft etc. abrückt. Linke? Bisher behaupten alle, dass sie das keinesfalls wollen. (Wird nur peinlich, falls die bundesweit ordentlich zulegen sollten und sich in 4 Jahren auf Augenhöhe mit der SPD bewegen sollten.) Piraten? Denkbar, falls diese sich dann zwischen 5 und 10 Prozent bewegen sollten. Denn diese Partei ist ideologisch unvorbelastet, hat als einzige Partei der Mitte daher nicht die Affinitäten der FDP zum sogenannten "bürgerlichen Lager" und stimmt (derzeit zumindest) in zentralen Fragen wie Bürgerrechten, Ablehnung des Überwachungsstaates und langfristigem Atomausstieg mit Rot-Grün überein.
Es wird also nach meiner persönlichen Prognose vielleicht erst in vier Jahren richtig spannend werden, aber die Voraussetzung dazu wäre, dass eine gewisse "orange" Partei bis dahin ebenfalls im Bundestag sitzt und sich in der Opposition ein Profil für die breite Öffentlichkeit schaffen kann - denn ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass wir im Oktober diesen Jahres entweder eine hauchdünne Mehrheit für eine unsägliche Angie-Guido-Allianz mit all ihren negativen Begleiterscheinungen zu Lasten des Durchschnittsbürgers, unter stärkerer Überwachung unserer Privatsphäre, weiterem Abbau jeglicher ehemaliger sozialer Komponente der Marktwirtschaft (viel Spaß bei weiteren Reformen im Gesundheits- und Bildungssektor) und zum Wohle der eigentlich bestimmenden Lobbyisten raffgieriger Konzerne im Hintergrund erleben werden. Oder aber eine Neuauflage von Schwarz-Rot, deren politischer Erneuerungswille wieder jahrelang sehr dürftig ausfallen wird und in weiterer Verschuldung des Gemeinwesens und faulen Kompromissen mündet.