Dazu noch folgendes!
aspekte
Übersinnliche Kriegsführung
Die Militärsatire "Männer, die auf Ziegen starren"
http://aspekte.zdf.de/ZDFde/inhalt/7/0,1872,8045927,00.html
Nur mal angenommen, man könnte ein Lebewesen allein durch die Kraft der
Gedanken töten. Probieren wir es mal mit Tieren, zum Beispiel Ziegen. Was
für Möglichkeiten, was für Chancen für die Kriegführung, denkt sich das
US-Militär in der Satire "Männer, die auf Ziegen starren".
Es geht darin um eine Sondereinheit von Wunderkriegern, die durch Wände
gehen, mit Psychokräften gewinnen, den Feind mit Freundlichkeit besiegen.
Superkräfte für die Supermacht. Ein irrer Spaß für Kinogänger. Das Blöde
ist nur, diese Geschichte ist keine Ausgeburt von Hollywood, sondern die
reine Wahrheit. Es gab diese Sondereinheit wirklich.
"Komplett durchgeknallt"
Im Spielfilm kommt der Reporter Bob Wilton, gespielt von Ewan McGregor,
diesem Geheimnis auf die Spur und erfährt die Schmerzhaftigkeit
alternativer Waffen durch die Hand von Lyn Cassady (George Clooney), der
sich als einer dieser "Jedi-Krieger" ausgibt. Und auch diesen Reporter
gibt es wirklich. Der Brite Jon Ronson schrieb 2004 ein Sachbuch - es ist
gerade auf Deutsch erschienen - und drehte eine Dokumentation über die
Psycho-Versuche von US-Armee und Geheimdienst.
Ronson ist Fachmann für religiöse Kulte, politische Extremisten und
Verrücktheiten aller Art. Mehrere Jahre forschte er nach den
Psychoversuchen der US-Armee, bis er die entscheidenden Hinweise auf diese
1979 gegründete Sondereinheit erhielt. "Ich glaube nicht, dass alle oberen
Chargen beim US-Militär so verrückt sind, wie die, über die ich geschrieben
habe", erzählt er im Interview. "Ich stieß auf eine kleine Gruppe, die
komplett durchgeknallt ist. Nicht jeder Militärspionage-Chef versucht durch
Wände zu gehen oder jemanden durch Gedanken zu töten."
Auf Staatskosten in Hippie-Kommunen
Ronson fand nach langen Recherchen auch Zeugen der Experimente im
sogenannten "Ziegen-Labor" des Army-Stützpunktes Fort Bragg. Einmal soll
tatsächlich ein Tier tot umgefallen sein. Warum auch immer. Einer der
Krieger behauptete, seinen Hamster durch Anstarren getötet zu haben. "Es
hat mich nicht sehr überrascht, dass das Militär verrückte Dinge
ausprobiert. Denn Armeen haben den Ruf, Unkonventionelles zu versuchen.
Aber das war wirklich sehr abseitig." Ronson traf in Hawaii auch den Kopf
hinter all diesen Ideen: Oberstleutnant Jim Channon, die Grundlage für die
Filmfigur des Hippie-Offiziers Bill Django (Jeff Bridges).
Das Trauma der Niederlage in Vietnam saß tief, Channon hatte im
Dschungelkrieg erlebt, wie seine Leute vom Feind zusammengeschossen wurden,
weil sie selbst nicht abgebrüht genug waren und zu oft unbewusst zu hoch
zielten. Die Armee schickte ihren Karriere-Offizier daraufhin in den 70ern
mehrere Jahre auf Staatskosten durch Hippie-Kommunen, Martial Arts-Clubs
und Meditationscamps, um Inspiration für einen neuen Typ Soldat zu sammeln.
"Das Undenkbare denken"
1979 präsentierte er vor ausgewählten Offizieren sein Handbuch des "1st
Earth Battalion". Seine Kämpfer sollten freundlich sein zu fremden Völkern
und zur Natur, vor der Schlacht meditieren und nichttödliche Kampftechniken
beherrschen. Sie sollten Einheimische mit Lämmern im Arm und leuchtenden
Augen begrüßen, umarmen und mit landestypischer Musik befrieden. Wenn das
nicht wirkte, konnte man den Feind mit verzerrtem Acid-Rock verwirren,
bevor man zu schwererem Geschütz griff.
In Ronsons Dokumentation hält Channon in seinem Garten noch einmal die Rede
von damals. "Schließ dich meiner Vision an - macht das Beste aus dir. Hier
beginnt das 1st Earth Batallion, hier darfst du mit offizieller Erlaubnis
der US-Armee das Undenkbare denken." Und dies taucht fast eins-zu-eins in
der Hollywood-Verfilmung auf, wenn Jeff Bridges mit Hippiezopf und Uniform
Blumen an seine Kameraden überreicht und für seinen Orden von
"Kampfmönchen" mit übersinnlichen Kräften wirbt.
Ganz real: Folter mit Musik
Die Kinogroteske führt weiter in den Irak-Krieg und auch das ist die
Wirklichkeit. In Abu Ghraib und in Guantanamo wurden Gefangene der
Amerikaner mit Musik gefoltert. Kinderlieder, Heavy Metal, Country Musik
rund um die Uhr sollten Häftlinge brechen - Channons ursprüngliche Ideen
weitergetragen und variiert, verdreht und ins Gegenteil verwandelt. Von
wegen Kampfmönche und sanfte Kriegführung- das kommt heraus, wenn man
Hippie-Ideen und Militär kreuzt. Purer Irrsinn.
Jon Ronson sieht eine direkte Traditionslinie von Kalifornien nach
Guantanamo: "Ich möchte nicht denen, die sich das ausgedacht haben, die
Schuld geben für die Schrecklichkeiten, die danach kamen. Sie hatten nie
vor, diese hübschen kalifornischen Ideen zu neuen Foltermethoden zu
pervertieren. Es ist eine traurige Geschichte, dass Schönes so düster wird,
wenn es auf die menschliche Natur trifft."