#1

... wo nur die Dröhnung zählt ...

in Konzertreviews 26.06.2017 12:28
von DonJackus • Der Hochwohlgeborene Edle | 2.450 Beiträge

"Eine Sozialstudie" oder "der etwas andere Konzertbericht" von MCG!



.... wo nur die Dröhnung zählt ...


Es ist ein heißer Tag. Auch noch um 18:00 Uhr. Wo der Veranstaltungsort sich befindet, ist anfangs nicht ganz klar. Durch die Dorfstraße getrennt stehen sich zwei wirklich hässliche Bausünden gegenüber. An den Toren befinden sich jeweils Leute, die den Eingang kontrollieren.
Vom Asphalt der Straße und vom Beton der beiden Häuser strahlt die Hitze gnadenlos zurück. Später erfahren wir, dass die jeweiligen Veranstalter ihren Ort als wahres und das Gegenüber nur als „sogenanntes“ Kunstprojekt definieren.

Das Fest begann bereits um 10:00 Uhr. Entsprechend mitgenommen präsentieren sich die Gäste. Als Indiz des kulturellen Niedergangs wurde der Beginn um 10:00 Uhr als Frühshoppen tituliert. Es ist jedoch klar, dass es hier legal nur Getränke und aufgebackene Pizzen zu shoppen gibt. Das gesellige Beisammensein in Musikbegleitung findet um 18:00 Uhr nicht mehr statt.

Auf der Open-Air-Bühne legen DJs gnadenlose Techno-Musik auf. Da diese Techno-Party aber eigentlich gegenüber – beim sogenannten Kunstprojekt – stattfindet, müssen die DJs nun das Feld für die geplante Livemusik räumen. Die Techno-Gemeinde zieht mit um und wechselt die Straßenseite.

Wäre das Licht nicht so gleißend, würden die Party-People nicht wie unter einem Spotlichtkegel wirken. Ob wir wollen oder nicht sehen wir derangierte junge Mädchen, die Hilfe beim Überqueren der Straße brauchen. Es gibt auch diese Lebenskünstler, die in Pumphosen zwischen den Gebäuden schweben. Allen sind große Augen und unkontrollierte Bewegungsabläufe gemein.

Auf dem Gelände der Open-Air-Bühne bleiben nun noch die Leute übrig, die dem Anschein nach während des Tages bereits den Bierbestand reichlich dezimiert haben.

Der erste Act – ein Sänger mit Gitarre – will nicht mehr am Anfang spielen. Er wirkt auch nicht mehr nüchtern. Er sagt, er spielt jetzt nach dem Hauptact.

Die Band, die ab 20:00 Uhr spielt, kann nun aufbauen. Beim Soundcheck wird klar, dass die paar Rockfans ausgehungert sind. Jedes Gitarrenriff wird mit Applaus und Anfeuerungsrufen begleitet. Leider haben auch diese Fans Probleme mit der Körperkoordination.

Um 20:00 Uhr beginnt das Konzert. Die Band ist gut. Das ist für den Großteil der Anwesenden nicht interessant. Auf Takt und Texte achten überfordert die Leute. Es ist Samstagabend. Zeit zum Abdichten. Egal ob gegenüber oder hier.

Die Anwesenden könnten optisch unterschiedlicher nicht sein. Einige haben Konzert wörtlich genommen und sind in Abendkleidern erschienen. Bei Temperaturen um die 30 Grad muss dieser Junge in einem viel zu großen weißen Anzug wohl ziemlich schwitzen. Einer der beiden sich gegenübersitzenden Zopfträger hat über dem langen Hemd noch eine Anzugweste an. Da schläft der verlebte Mann mit dem Reggae-Shirt und Hose in Kniehöhe. Wenn er wach wird verlangt er nach noch mehr Bier.

Bei einer Bierzeltgarnitur sind drei ältere zurechtgemachte Damen. Es könnte sich um die Mütter der bedienenden Jungen handeln. Ein älterer Mann, ganz in Rot gekleidet und mit einem strammen Seitenscheitel möchte den Jungen im weißen Anzug fotografieren.

Dann sind hier noch drei Frauen in Partykleidern. Deren Bierzelttisch ist voll mit kleinen Schnapsfläschchen. Kein Wunder bei dem Angebot an Männern. Denen ist es mittlerweile egal, ob die Hose nach einer biologischen Erleichterung gleich neben der Bühne nass wurde, noch zu geht oder ob die Sprache noch verständlich ist.

Die Frau im engen kurzen Lederrock ist sinnbildlich für die Figuren, die in dieser Gemeinde vorherrschen. Auf dünnen Beinen sind Fässchen-artige Körper in engen Hosen oder Röcken zu sehen. Die Taillen erinnern an Muffins.

Um 22:00 kommt der Hauptakt. Es ist ein zierlicher kleiner blasser Mann mit dicken Dreadlocks. Er hat in den sozialen Kontakten einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht. Man kann nicht sagen ob seine Musik dem Publikum gefällt. Aber es sind nun circa ein Duzend Personen auf der Tanzfläche, die ihre Smartphones für die Erstellung eines YouTube-Clips in Stellung gebracht haben.

Ob danach noch der ursprünglich geplante erste Act spielen wird, ist egal.

Mitbekommen wird es keiner mehr.


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zuletzt bearbeitet 26.06.2017 12:35 | nach oben springen

#2

RE: ... wo nur die Dröhnung zählt ...

in Konzertreviews 26.06.2017 14:27
von EarAche • The Undertaker | 2.097 Beiträge

Tja, zumindest ein Mal in seinem Leben sollte man wohl für Zombie-Muffins gespielt haben


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