#1

Wenn ein Arschloch 3x klingelt...

in Talk Hard Thread 05.08.2009 12:22
von EarAche • The Undertaker | 2.096 Beiträge

Wem ist Folgendes nicht schon mal passiert:

20:32 Uhr, der Kamillentee neben dem Sessel schickt gemütliche Dampfwolken in den Feierabend, im Fernsehen philosophiert Hansi Hinterteicher über die Genialität alpenländischer Musikterroristen, aber du bist schon zu müde zum Wegzappen, weil es dir durch das eben verzehrte Kartoffelgratin mit Emusteaks und vier Gläschen Riesling die Augen zudrückt. Da wird der beginnende und hochverdiente Feierabendschlaf jäh unterbrochen durch das aufdringliche Klingeln des Telefons. Du denkst zunächst ob der Uhrzeit an einen Irrtum, aber nachdem Tante Grete eh schon länger im Krankenhaus liegt, gehst du beim zehnten elektronischen Gligligligl... natürlich ran, um zu erfahren, ob vielleicht die bevorstehende Erbschaftsangelegenheit nun in die Gänge kommt.

Weit gefehlt, am anderen Ende einer Leitung mit dir unbekannter Nummer auf dem Display meldet sich eine gewisse Geraldine, die Kunze wie Gunse ausspricht und die Konversation höflich mit einem unverständlichen, aber umso längeren Firmennamen einleitet und anfragt, ob sie dich über die immensen Vorteile von Systemlottoscheinen aufklären darf.

Du denkst zuerst noch an einen Irrtum, wirst aber schlagartig wach, sobald dich das offenbar nachtaktive Luder auch noch mit Namen anspricht. Weil die Trillerpfeife wieder nicht zur Hand ist, um dem dummen Gör im Hörer als Sofortsanktion für den langen nächtlichen Weg zum Telefon das Trommelfell nachhaltig zu schädigen, fragst du nach, woher sie denn deine Nummer hätte. Es folgt die stereotype Antwort, die sei nun mal in der Datei, also müsstest du doch wohl Kunde der Firma "Rhabarber Rhabarber Rhab... GmbH" sein. Du wendest ein, dass das nicht der Fall sei, weil du nicht Lotto spielen würdest, sie sagt, dass das ja auch ein neues Produkt der R-GmbH sei. Dein Blutdruck steigt, jetzt schaltest du den Fernseher auf stumm und willst es genau wissen: "Woher haben sie meine verdammte Nummer?? Ich stehe ja nicht mal im Telefonbuch..." Sie wünscht dir einen schönen Abend, den du ohne sie längst haben könntest, es macht püt, püt, püt, auf dem Display steht "Teilnehmer hat aufgelegt". Der Tee dampft nicht mehr.

Am nächsten Morgen klingelt es um 8:01 Uhr. Du bist noch müde, weil du gestern nach der Konversation mit Geraldine nicht gleich wieder einschlafen konntest und dein Rückruf bei der ominösen Firma obendrein mit einer schwer gebührenpflichtigen Bandansage belohnt wurde, die dein wütendes Geschrei mit relativem Gleichmut hinnahm. Außerdem tropft dir jetzt im Bad gerade der blutige Rasierschaum vom Kinn und du solltest eigentlich schon im obligatorischen Stau auf dem Weg zur Arbeit stehen.

Gligligligl... Du bist rangegangen, es könnte ja dein Arbeitgeber sein, der dir mitteilt, dass die Insolvenz nun doch vorgezogen wurde und deine Anwesenheit beim Protestmarsch nicht erwünscht ist. Dran ist aber Frau Fuchsöhrl von deinem Kreditinstitut und teilt dir mit, dass ihr aufgefallen ist, dass sich auf deinem sonst immer so schön überzogenen Konto seit zwei Wochen auf einmal 1224,81 Euro befinden, die da nicht hingehören, weil es da ja keine Zinsen gäbe. Ob du denn schon einmal über einen Bausparer oder eine Lebensversicherung nachgedacht hättest, um 14:20 Uhr hätte sie einen Termin zur Beratung frei?

Du hast die Stiftung Finanztest seit zwei Jahren abonniert und weißt daher, dass die Gebühren dieser angeblich so lukrativen Volksveranstaltungen die ersten drei Jahresbeiträge verschlingen und sagst das der Fuchsöhrl auch. Sie leugnet frech. Du erklärst ihr gehetzt, dass dieses versehentliche Haben auf deinem Konto nicht von langer Dauer sein wird, weil es sich nur um die unverzinste Steuerrückzahlung für den vor 5 Monaten abgegebenen Jahresausgleich handelt und du schon für die doppelte Summe leichtes Heizöl bestellt hast. Ist ihr egal, sie meint, es gäbe ja schließlich die Möglichkeit, um 14:20 Uhr gleich mal einen Haushaltsplan zu erstellen, um auf Einsparpotentiale hingewiesen zu werden, damit das Einkommen noch für ein paar Sparraten reichen würde.

Du rutscht auf einer Lache rötlichen Rasierschaums aus und erwähnst während des Aufschlagens an der Tischkante dein Zeitproblem mit diesem Termin von wegen Job und so. Sie macht dir den Vorschlag dich abends anzurufen. Du erwähnst ein Date mit einer gewissen Geraldine. Fuchsöhrl hat aber leider auch an anderen Tagen Zeit. Du argumentierst, dass du dich schon selbst melden würdest, wenn du mal wirklich zuviel Geld hättest. Aber es geht noch sechseinhalb Minuten so hin und her, während derer sie keinen Zweifel daran lässt, dass sie die Provision für diverse Produkte ihres Hauses offenbar unbedingt braucht. Nur die finale Notlüge "Gut, ich werde drüber nachdenken und rufe dann zurück." bringt dich endlich wieder ins Badezimmer.

Aber du bist 19 Minuten zu spät in der Arbeit und bekommst eine Abmahnung per E-Mail, bevor du überhaupt den ersten Kaffee des Tages getrunken hast. Du tröstest dich damit, dass du wenigstens nicht einsam bist wie Tante Grete im Krankenhaus, du hast ja heute schon telefoniert!


Doch Hilfe ist nah, denn nun hat die Bundesnetzagentur endlich den großen Wurf geschafft:

All das oben Beschriebene wird dir nicht mehr oft passieren, wenn du eines der Online-Formulare unter http://www.bundesnetzagentur.de/cln_1911...ialer_node.html, im eingangs beschriebenen Fall der Systemlottotussi also Nr. 2, Cold Calls, herunterlädst. Dann musst du nämlich nur noch bei jedem unerwünschten Anruf etwas konzentriert zu Werke gehen und all die dort geforderten Informationen einfüllen - und schon kannst du jeden Telefonterroristen hinhängen, der auf einen Anteil an deinem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsentgelt aus ist. Vorausgesetzt er unterdrückt seine Rufnummer nicht und ist so nett wie Frau Fuchsöhrl, sich mit seinem richtigen Namen und Auftraggeber vorzustellen. Danke, Bundesnetzagentur!

Link zum Infotelefon, falls es Probleme mit den Formularen gäbe: https://www.bundesnetzagentur.de/cln_191...rauch_node.html
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zuletzt bearbeitet 08.09.2010 12:44 | nach oben springen

#2

RE: Wenn ein Arschloch 3x klingelt...

in Talk Hard Thread 05.08.2009 12:44
von DonJackus • Der Hochwohlgeborene Edle | 2.450 Beiträge

Sehr fein beschriebene Alltagsszene!

Zum Glück sind diese Firmen bei uns mittlerweile vorsichtiger, da sie dank unserem VoiP als Gegenstelle eine ähnliche Nummer erwartet wie sie selber nutzen. So wird man diese Unholde auch los.

Wenn man dieses Formular der BNA lädt, kommen bei mir nur kryptische Werte....


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